Die eine Korrektur, die du nicht machen darfst
Jedes andere Holzblasinstrument hat ein Teil zum Herausziehen. Flötisten ziehen das Kopfstück, Klarinettisten die Birne, Oboisten das Rohr. Zeigt man einem Fagottisten auf das Bauteil, das genauso aussieht — den S-Bogen —, lautet die Antwort nein.
Der Grund ist konkret und mechanisch: Die Oktavklappe (die Piano- oder Flüsterklappe) dichtet mit ihrem Polster auf einem kleinen Loch ab, das im S-Bogen selbst sitzt. Polster und Loch müssen zueinander passen. Zieht man den Bogen heraus, um tiefer zu werden, wandert das Loch unter dem Polster weg — die Klappe dichtet nicht mehr, und genau sie sorgt dafür, dass die Tiefe sauber anspricht und Registerbindungen funktionieren. Man hat dann ein paar Cent Tonhöhe gegen ein handfestes Ansprachenproblem getauscht, und so etwas wird wochenlang dem Rohr angelastet.
Die zweite Registerkarte geht durch den Umfang, samt tiefem B, das einen langen ruhigen Ton braucht, bevor ein Gerät es benennt. Die dritte macht den Unterschied zwischen 440 und 442 Hz hörbar.
Was die Tonhöhe wirklich bewegt
- Luft und Ansatz. Beim Fagott steckt hier mehr Tonhöhe als bei den meisten Instrumenten. Ein Fagottrohr ist groß und bietet wenig Widerstand, also fällt die Tonhöhe bei langsamer Luft oder lockerem Ansatz sofort ab — und kommt mit etwas mehr Rohr im Mund und schnellerer Luft ebenso zurück. Bevor du irgendetwas tauschst: denselben Ton noch einmal mit echter Stütze, und die Nadel beobachten.
- Das Rohr. Wie weit es auf den Bogen geschoben ist — zwei Millimeter machen bereits etwas aus —, dazu Schab, Alter und Wässerung. Rohre steigen beim Austrocknen und fallen beim Durchweichen.
- Der S-Bogen — seine Länge, nicht seine Position. Bögen sind nummeriert, und die Nummer ist die Länge: Eine 2 ist kürzer und höher als eine 3, eine 1 noch kürzer und höher. Wer im Orchester dauerhaft zu tief steht, wechselt auf einen kürzeren Bogen; wer dauerhaft zu hoch steht, auf einen längeren.
Punkt drei ist die eigentliche Antwort auf „wie stimmt man ein Fagott“. Die meisten Berufsfagottisten besitzen zwei oder drei Bögen und wählen nach Situation — einen kürzeren für ein Orchester bei 442 Hz, einen längeren bei 440 —, so wie ein Streicher andere Saiten aufzieht.
Nichts hiervon transponiert
Eine seltene gute Nachricht unter den Blasinstrumenten: Das Fagott ist ein C-Instrument und klingend notiert. Der Ton auf dem Blatt ist der Ton in der Luft ist der Ton auf der Anzeige. Widerspricht das Gerät deiner Stimme, sagt es dir also etwas Echtes über Rohr oder Ansatz — es gibt keine Transposition, auf die man es schieben könnte.
Das Einzige, was wie eine Transposition aussieht und keine ist: Fagottstimmen wechseln in der Höhe vom Bassschlüssel in den Tenorschlüssel. Ein Schlüsselwechsel verschiebt die Noten im System, nicht ihre Tonhöhe — die Anzeige bleibt einig mit dir, nur das Lesen wird anspruchsvoller.
Das Stimmgerät als Rohr-Prüfstand
Das Nützlichste, was ein Stimmgerät für Fagottisten tut, ist gar nicht das Stimmen — es ist das Beurteilen von Rohren. Spiel mit jedem Rohr dieselben drei, vier Töne über den Umfang, bei laufender Anzeige, und schreib mit. Ein Rohr, das auf a zentriert ist und im e¹ zwanzig Cent hochzieht, sagt etwas Konkretes über seinen Schab. Ein Rohr, das zentriert anfängt und binnen fünf Minuten steigt, trocknet zu schnell aus.
Das ist eine andere Frage als „stimme ich gerade“ — und dort werden die echten Intonationsprobleme des Instruments gelöst. Beim anderen Doppelrohrblatt geht es hier weiter.
Was die Anzeige nicht entscheidet
Sie misst gleichstufig gegen eine feste Referenz — richtig, um ein Instrument einzurichten und ein Rohr zu diagnostizieren. Falsch für das, worin Fagottisten tatsächlich die meiste Zeit verbringen: im Holzbläsersatz. Das Fagott hält dort oft Grundton oder Quinte, und ein Akkord rastet ein, wenn seine Terz unter dem gleichstufigen Wert liegt. Der richtige Ton im Ensemble ist also manchmal nicht der zentrierte. Erst einrichten, dann hören — unser Leitfaden zu Cent (englisch) erklärt, warum beide Antworten um einen vorhersagbaren Betrag auseinanderliegen.
Häufige Fragen
Kann ich das Fagott durch Herausziehen des S-Bogens stimmen?
Nein — und das ist der eine Ratschlag, der von jedem anderen Holzblasinstrument herüberkommt und hier nicht angewendet werden darf. Die Oktavklappe dichtet mit ihrem Polster auf einem Loch ab, das im S-Bogen sitzt. Zieht man den Bogen heraus, passt das Loch nicht mehr unter das Polster, die Klappe dichtet nicht mehr, und Tiefe wie Registerbindungen leiden. Man tauscht ein paar Cent gegen ein deutlich größeres Ansprachenproblem — und sucht den Fehler anschließend wochenlang beim Rohr.
Was verändert dann die Tonhöhe?
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge zu verdächtigen. Luft und Ansatz: Ein Fagottrohr ist groß und widerstandsarm, also fällt die Tonhöhe bei langsamer Luft sofort — mehr Stütze und etwas mehr Rohr im Mund holen sie zurück. Das Rohr: Schab, Alter, Wässerung und wie weit es auf dem Bogen sitzt. Und der S-Bogen, allerdings über seine Länge und nicht über seine Position: Ein kürzerer Bogen steht höher, ein längerer tiefer.
Was bedeuten die Nummern auf meinem S-Bogen?
Die Länge und damit die Tonhöhe. Ein Bogen mit der 2 ist kürzer als einer mit der 3 und steht deshalb höher; eine 1 ist noch kürzer und höher. Hersteller variieren zusätzlich Konus und Material, was Ansprache und Farbe verändert — fürs Stimmen ist aber die Nummer der entscheidende Teil. Die meisten Fagottisten besitzen mindestens zwei und wählen nach Lage: einen kürzeren für ein Ensemble bei 442 Hz, einen längeren bei 440 oder für ein Rohr, das beim Trocknen hochgezogen ist.
Transponiert das Fagott?
Nein. Das Fagott ist ein C-Instrument und wird klingend notiert — was das Gerät anzeigt, steht auch in deiner Stimme. Es liest im Bassschlüssel und wechselt in der Höhe in den Tenorschlüssel, aber ein Schlüsselwechsel ist keine Transposition: Es sind dieselben Tonhöhen auf anderen Linien. Widerspricht die Anzeige deiner Stimme, liegt es am Rohr oder am Ansatz und nicht an einer vergessenen Transposition.
Das Gerät sagt zu tief, aber das Rohr fühlt sich gut an. Was nun?
Prüf zuerst die Luft, nicht das Material. Ein Fagottrohr fällt bei langsamer Luft und lockerem Ansatz schnell ab, also heißt eine Anzeige „zu tief“ sehr oft schlicht „schneller blasen und etwas mehr Rohr nehmen“ und nicht „kauf etwas Neues“. Test: denselben Ton bewusst mit mehr Stütze. Kommt er auf die Mitte, ist das Rohr in Ordnung. Bleibt er unten, sieh dir das Rohr an — und erst danach einen kürzeren S-Bogen.